Narzissmus

Narzissmus

beschreibt ein Persönlichkeitsmuster, bei dem Menschen ein starkes Bedürfnis nach Bewunderung haben, sich selbst für besonders wichtig halten und wenig Empathie für andere zeigen. Der Begriff kommt aus der griechischen Mythologie (Narziss), der sich in sein eigenes Spiegelbild verliebte.

Wichtige Merkmale von Narzissmus

1. Grandioses Selbstbild
Betroffene überschätzen oft ihre Fähigkeiten und erwarten besondere Behandlung.

2. Starkes Bedürfnis nach Anerkennung
Sie möchten bewundert werden und reagieren empfindlich auf Kritik.

3. Geringe Empathie
Die Gefühle und Bedürfnisse anderer werden oft übersehen oder abgewertet.

4. Schwierige Beziehungen
Durch manipulative oder ausnutzende Verhaltensweisen können enge Beziehungen kompliziert werden.

Gesunder Narzissmus vs. problematischer Narzissmus

  • Gesunder Narzissmus = Selbstvertrauen, Selbstfürsorge, persönliche Ziele.

  • Problematischer Narzissmus = Verhalten, das anderen schadet oder Beziehungen zerstört.

Narzisstische Persönlichkeitsstörung (NPS)

Dies ist die extreme Form. Sie ist selten und wird diagnostiziert, wenn diese Muster langfristig und stark ausgeprägt sind.

Woher kommt Narzissmus?

Einflüsse können sein:

  • Erziehung (zu viel oder zu wenig Zuwendung)

  • Unsichere Bindungen

  • Kompensation von Minderwertigkeitsgefühlen

  • Genetische Faktoren

Wie erkennt man narzisstisches Verhalten?

Typische Anzeichen:

  • Ständiger Wunsch nach Bewunderung

  • Überempfindlichkeit gegenüber Kritik

  • Arroganz

  • Gaslighting oder Manipulation

  • Ausnutzen anderer für eigene Zwecke

Narzissmus

Wie Narzissten aus ihrer eigenen Sicht empfinden

Sie fühlen sich oft „besonders“ oder überlegen

Aus ihrer inneren Sicht wirkt es selbstverständlich, dass sie talentierter, klüger oder wichtiger sind als andere.
→ Das Gefühl: „Ich bin etwas Besonderes, andere sollten das erkennen.“

 Sie erleben Kritik als persönlichen Angriff

Selbst kleine Hinweise oder gut gemeinte Ratschläge fühlen sich für sie existenzbedrohend an.
→ Das Gefühl: „Wie kannst du es wagen, mich zu kritisieren?“
Oft entsteht Wut, Scham oder Verachtung.

 Sie glauben, Anspruch auf Bewunderung zu haben

Sie empfinden Bewunderung nicht als Wunsch, sondern als Selbstverständlichkeit.
→ Das Gefühl: „Ich habe es verdient, im Mittelpunkt zu stehen.“

Empathie fällt schwer aber nicht absichtlich

Viele verstehen Gefühle anderer nicht intuitiv oder sehen sie als zweitrangig.
→ Das Gefühl: „Warum ist das jetzt so wichtig? Es gibt doch Wichtigeres – nämlich mich.“

Sie erleben Abhängigkeit und Verletzlichkeit als gefährlich

Die Vorstellung, schwach zu erscheinen oder Fehler zuzugeben, ist beängstigend.
→ Das Gefühl: „Wenn ich Schwäche zeige, verliere ich meinen Wert.“

Sie holen sich Bestätigung, um ein instabiles Selbstwertgefühl zu schützen

Nach außen wirken sie selbstbewusst, aber innerlich ist der Selbstwert oft brüchig.
→ Das Gefühl:

  • bei Bewunderung: „Endlich fühle ich mich gut.“

  • bei Ablehnung: „Ich bin nichts wert, darum muss ich mich schützen.“

Beziehungen empfinden sie oft funktional

Sie sehen Menschen manchmal als Mittel zum Zweck (z. B. Bewunderung, Status, Anerkennung).
→ Das Gefühl: „So lange du mich bestätigst, ist alles gut.“

Emotionen wie Wut oder Kränkung dominieren

Wenn sie sich verletzt fühlen, können starke emotionalen Reaktionen entstehen.
→ Das Gefühl: „Du hast mich erniedrigt – ich muss das wieder ausgleichen.“

Ein narzisstischer Mensch empfindet sich oft als besonders, aber gleichzeitig innerlich gefährdet. Deshalb braucht er Schutzmechanismen wie Überlegenheit, Abwertung anderer oder Kontrolle über Beziehungen. Vieles davon entsteht nicht aus Bosheit, sondern aus innerer Unsicherheit.